Gibt es “gutes” und “schlechtes” Publikum?

Entertainer schüttelt allen im Publikum die Hände

Zwei Dinge gehören fast untrennbar zusammen: der Künstler auf der Bühne und sein Publikum. Als Künstler kann man noch so viel erarbeiten, trainieren und vorbereiten – entscheidend ist die Reaktion des Publikums. Gerne neigt man dazu, einer Seite den Vorzug zu geben. So meinen manche, das Publikum sei ausschlaggebend für das, was ein Künstler tut oder tun kann. Das würde bedeuten, dass ein Künstler nur auf die Reaktion seines Publikums hört und alle eigenen kreativen Gedanken und Anregungen dahinter zurückstellt. Sobald jemand im Publikum Missgunst zeigt, ändert der Künstler sein Konzept, nur um zu gefallen.

Das andere Extrem ist der „gottgleiche“ Künstler, der überhaupt nicht auf sein Publikum hört und sein eigenes kreatives Schaffen als unantastbar darstellt.

Beide Extreme haben ihre Berechtigung im Sinne des Zwecks. Während im ersten Fall die 100-prozentige Erfüllung des Publikums im Mittelpunkt steht, geht es im zweiten Fall meist um Grenzüberschreitungen und extreme Überspitzung von Themen.

Jeder Künstler fühlt sich an einer anderen Position auf dieser Skala wohl.

Uns ist eine gewisse Balance wichtig. Wir wollen nicht nur gefallen, wir wollen auch inspirieren. Dafür muss man manchmal Grenzen überschreiten und Dinge anders tun. Aber letztendlich geht es immer um Kommunikation zwischen Künstler und Publikum. Je besser diese gelingt, desto besser wird die Aufführung sein und desto nachhaltiger die Wirkung.

Der Begriff Publikum kann jedoch ungenauer nicht sein, denn es gibt unendlich viele Arten von Publikum. Daher kann man auch nicht sagen, es gäbe ein gutes oder schlechtes Publikum. Ein Publikum kann freundlich sein, oder aber auch unaufmerksam, abgelenkt, respektlos, würdigend, anständig, interessiert oder euphorisiert. Die Liste ist endlos und je größer das Publikum, desto schwieriger wird es. Was man tatsächlich auf einer Skala von gut nach schlecht beurteilen könnte, wäre die Aufführung als Ganzes. Diese entsteht durch die Kommunikation zwischen Künstler und Publikum. Ist ein Künstler unaufmerksam und das Publikum eher desinteressiert, wird die Aufführung wohl eher schlechter ausfallen. Ist ein Künstler authentisch und offen und das Publikum voll dabei, dann wird man die Aufführung wohl noch lange in Erinnerung behalten. Ob man also bei einem Konzert, einer Theateraufführung oder sonstigen Performance Show eine gute Zeit hat, hängt immer ein wenig von beiden Seiten ab.

29.07.2018 / Martin

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