Kein Mitleid bitte! #corona

Die Zeiten sind hart – für uns alle.

Jeder spürt die Auswirkungen von Corona. Sei es durch staatlich verordnete Ausgangssperren, leergefegte Supermarktregale, fehlende Kinderbetreuung, soziale Isolation bis hin zu finanziellen Einbußen aufgrund von Einschränkungen der Arbeitswelt.

Letzteres hat uns persönlich schwer erwischt. Das Veranstaltungsverbot hat Künstlern, Freiberuflern, Gastronomen, kleinen Einzelhändlern – eigentlich fast jedem Selbstständigen – den Boden unter den Füßen weggerissen und von jetzt auf gleich deren Existenz ins Wanken gebracht.

Klar, im Moment denkt niemand daran eine Veranstaltung zu planen, einen Fotografen zu engagieren, einen Floristen zu beauftragen, ein Konzert zu besuchen oder in einem Restaurant essen zu gehen. Darauf kann man aktuell gut verzichten. #Stayathome lautet die Devise.

Doch das bedeutet, dass all diese “überflüssigen” Dienstleister aktuell ohne Einkommen dastehen – sie haben genauso Rechnungen zu zahlen, Mietausgaben zu tätigen und Mitarbeiter zu bezahlen.

Schwer vorzustellen, wenn man selbst nicht in der Situation ist.

Und dann sind da noch die Pflegekräfte, Ärzte und Mitarbeiter im medizinischen Sektor, die rund um die Uhr da sind und sich um die vielen, vielen kranken und infizierten Patienten kümmern. Jene, die selbst vollkommen überarbeitet und erschöpft sind – und die Mühlen für uns alle am Laufen halten. Das verdient Respekt, Wertschätzung und Hochachtung. Dies ist irgendwie leichter vorzustellen – also will man irgendwie “helfen”, man verspürt das Bedürfnis zu “handeln”, sich zu “bedanken”: man stellt sich ans Fenster und klatscht.

Klingt irgendwie dämlich während ich das schreibe. Vielleicht, weil es irgendwie auch dämlich ist?

Dabei ist doch Klatschen das Brot des Künstlers. Nur sattgemacht hat es bisher keinen.

Der springende Punkt: Klatschen hilft nicht. Dankesworte helfen nicht.

Pflegekräfte arbeiten in unwürdigen Verhältnissen und werden schlecht für ihre harte (!) Arbeit entlohnt. Das ist ein Fakt. Und in Krisensituationen wird ja bekanntlich deutlich wer die Gesellschaft und das System wirklich am Laufen hält: aktuell sind es Mediziner, Pfleger, Supermarktmitarbeiter, Lieferanten und Sicherheitsdienste, sowie Polizei und Feuerwehr, die dafür sorgen, dass der Rest der Bevölkerung sicher zuhause bleiben und weiterhin sein Klopapier im Supermarkt erwerben kann. Wie wäre es, wenn sich die Wertschätzung und der Dank auch in Form von angemessenen Löhnen, geregelten Arbeitszeiten und mehr Personal – kurz: einem menschenfreundlicheren, entprivatisierten System widerspiegeln würden? An dieser Stelle sei auch einfach mal das magische Wort “bedingungsloses Grundeinkommen” genannt. Wie wäre es z.B. mit Unterstützung in Form von Beteiligungen an Demonstrationen oder Petitionen, Botschaften die wachrütteln und zum Denken anregen, wie wäre es mit gemeinsamen Diskussionen und einem Kampf für bessere Rechte?

Zurück zu den Künstlern, zurück zu uns: Viele Nachrichten haben uns erreicht, in denen wir mitleidig nach unserem Wohlbefinden gefragt und vorsichtig auf die “aktuelle” Situation angesprochen wurden. – Danke, es geht uns gut. Wir sind nicht infiziert und halten uns ans Ausgehverbot. Durch das Veranstaltungsverbot sind uns all unsere Einnahmen der nächsten Wochen weggebrochen und wir wissen nicht so richtig wie wir unsere Miete und Rechnungen bezahlen sollen. Glücklicherweise haben wir mehrere Konten, die wir allesamt schon überzogen haben.

An dieser Stelle hören wir oft betretenes Schweigen oder leere Worte – und natürlich den Verweis auf staatliche Unterstützung…

Wir hätten uns ein bisschen Mehr erhofft, z.B.: “Wenn ich was für euch tun kann, dann sagt bitte Bescheid” oder “Braucht ihr was zu essen?” oder “Kann ich euch irgendwie aushelfen?” (an der Stelle natürlich ganz lieben Dank an die zwei, die genau das gesagt haben!)

Auf unsere beschissene Lage bekommen auch wir lediglich nette Worte und gedrückte Daumen, dass bald wieder alles gut ist.

Danke für das Mitleid. Danke für nichts.

Wir brauchen keine aufmunternden Worte, und wir brauchen kein Mitleid. Wir brauchen Unterstützung und Rückhalt. Der Staat wird uns nicht aus der Misere ziehen. Klar, wir haben die allseits gepriesene “Corona Soforthilfe” beantragt. Wann (und ob überhaupt) sie bewilligt wird, steht allerdings in den Sternen. Abgesehen davon, dass es auch durchaus sein kann, dass wir die Hilfe in Zukunft wieder zurückzahlen müssen (ist schließlich ein Bankdarlehen…)

Wir wollen Niemanden “zwingen” uns zu helfen oder finanziell zu unterstützen. Um Hilfe zu bitten fällt uns sowieso schwer. Wir wollen nur ein bisschen mehr Realitätssinn und zeigen, dass die Lage echt ernst ist. Es gibt doch viele Wege um zu helfen – es muss nicht immer die Geldspende sein. Sehen woran es wirklich fehlt, eine kleine Aufmerksamkeit, ein “Wir haben euch nicht vergessen / Wir unterstützen euch!” gefolgt von TATEN, bringt uns so viel mehr als jede Klatscherei und jedes warme Wort. Wenn ihr uns und die vielen anderen Betroffenen wirklich unterstützen wollt, dann unterschreibt die vielen Petitionen, die sich für unsere Rechte einsetzen, stimmt für das bedingungslose Grundeinkommen, teilt unsere Beiträge, folgt uns auf unseren sozialen Medien, schaut unsere Videos, empfehlt uns weiter, besucht unsere Shows, geht ins Theater, in die Bar von nebenan, kauft regional und lokal, geht zu den kleinen Läden um die Ecke, kauft CDs lokaler Bands, macht auch mal Urlaub in Deutschland, seid nett zu euren Mitmenschen und übt gegenseitige Rücksichtnahme.

Und wenn ihr den ein oder anderen Euro doch noch übrig habt, dann spendet hin- und wieder. Auch das zahlt sich aus und kommt tausendfach zu euch zurück!

#mehrsolidarität #wenigermitleid

Martin & Maria / 27.03.20

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