Unsere “Top 10” Worst-Case-Szenarien

ADAC Panne mitten in der Nacht

Man kennt sie – die Tage, an denen einfach nichts zu klappen scheint. Man wähnt sich gut vorbereitet, geht mit bestem Vorsatz aus dem Haus und denkt am Abend: „Diesen Tag hätte ich mir sparen können!“ Manche Arbeitnehmer sagen das fast jeden Tag nach Feierabend, manche sammeln ihren Stress bis zum Urlaub, um bei der ersten Gelegenheit einen großen Familienkrach zu verursachen – und manche haben das Gefühl das Pech sprichwörtlich anzuziehen.
Künstlern geht es da nicht anders. Und damit ihr euch vielleicht nicht ganz so alleine fühlt mit eurer letzten Pechsträhne oder einfach nur weitersagt, dass auch Künstler zu respektierende Menschen sind, folgen hier unsere 10 Worst Case Szenarien in Kurzform:

1.) Ankunft am Spielort: „Ihr könnt euch auf der Gästetoilette umziehen.“ – Wie bitte?
2.) Die nächsten öffentlichen (Bezahl-) Toiletten für euch sind ca. 15 Minuten zu Fuß in diese Richtung. – Ähm…
3.) Erforderliche Spielfläche laut Vertrag: mind. 4×5 m; vorhandene Spielfläche: 1,5x2m. – Noch Fragen?
4.) Weihnachtsfestival: Wir stehen mit falscher Uhrzeit und falschem Spielort im Programmheft. Getränke und Verpflegung während des Wartens auf umherirrendes „Publikum“ gibt es natürlich nicht. – Ein Hoch auf unsere eigene Thermoskanne!
5.) Einkaufszentrum: vereinbarte Bühnengröße mind. 4x5m … Kennt ihr diese typischen Modeschaubühnen in Einkaufszentren, die entsprechende Laufstege nach vorne haben? – Als Dankeschön für unseren improvisierten Aufbau werden wir von Passanten bepöbelt: „Mon vorschtäht joa gornüschd!“ – tja, die Technik hat keine Headsetmikrofone für uns eingeplant.
6.) Festival: 35 Grad im Schatten; 35 Minuten Laufweg zur Bühne inkl. aller Requisiten ohne Hilfsmittel; Beschallungsanlage wird durch Notstromaggregat betrieben, welches 20m vor der Bühne röhrt; das Publikum lässt sich erwartungsgemäß an beiden Händen abzählen.
7.) Kinderfestival: Unsere Anfahrt zur Spielfläche wird durch Poller versperrt, die leider keiner aufschließen kann – durch den Zeitverzug muss die erste Aufführung ausfallen. Den Strom ziehen wir provisorisch von einem Stand 10m weiter; eine ausgemachte Regenalternative gibt es trotz wechselhaftem Wetter nicht; unsere Spielfläche ist feinster Schotter – extra staubig. Krönender Abschluss: der Wagen bleibt kurz nach der Abfahrt liegen, woraufhin mitten in der Nacht drei Stunden Wartezeit auf Pannenhilfe und Abschleppdienst, sowie eine einstündige Heimfahrt mit einem wortkargen Fahrer folgen. Das Morgengrauen lächelt uns immerhin an, bevor wir nach einem 23 Std. Tag ins Bett fallen können.
8.) In der Pause zwischen zwei Showteilen informiert uns der Veranstalter grundlos: „Sie bauen jetzt ab, und verlassen die Veranstaltung ohne sich abzumoderieren, wir haben etwas anderes erwartet… gehen Sie, ansonsten ziehe ich Ihnen den Stecker …“. Unsere Abmoderation lassen wir uns niemals nehmen! Sie führt zu Bedauern im Publikum und Empörung beim Bürgermeister der Stadt, der sich persönlich bei uns entschuldigt. – Sowas muss wirklich nicht sein.
9.) Weihnachtsmarkt, -5 Grad C°, beginnender Schneefall: unüberdachte Spielfläche, kein Aufenthaltsraum, Stromausfall und der Veranstalter legt auf Nachfrage am Telefon auf. Vor Ort werden wir dann für UNSER Verhalten gemaßregelt. Wir beschließen die Veranstaltung zu verlassen – schließlich wurden mehrere Punkte unseres Vertrages gebrochen.
10.) 5-Sterne Hotel zu Heiligabend mit fetter Erkältung und Halsschmerzen: Wasser gibt es erst nach mehreren Nachfragen. Vom Buffet dürfen wir uns nichts nehmen, aber der Koch verlangt feinste Weihnachtsmusik. Na dann: Frohe Weihnachten, unser Weihnachtsessen ist diesmal mitgebrachtes Hanuta und O-Saft.

Ja, selbstständiger Künstler zu sein ist nicht immer leicht. Nichtsdestotrotz ließen sich viele Szenarien vermeiden, wenn man uns gegenüber etwas aufmerksamer und wertschätzender wäre – Wir Künstler sind auch Menschen, die einen Job machen der Anerkennung verdient. Während andere ausgelassen feiern und ihre Ferientage genießen, beginnt für uns die stressigste Hochsaison und Arbeit. Wir werten Veranstaltungen auf, geben stets 100 % und sorgen für Spaß und gute Laune (ganz egal, wie es uns persönlich in dem Moment geht). Wir sind meist diejenigen, die als erste auf die Veranstaltung kommen, aufbauen, soundchecken, Showpower geben und dann als letzte nach Hause gehen – nicht selten ergeben sich so Tage die 15 Std. und länger sind.
Ein hochwertiges, professionelles Programm spielt sich aber nicht einfach so von der Hand – Vertragskonditionen sind notwendig, damit eine gleichbleibende Qualität gewährleistet werden kann. Wenn diese Konditionen von Veranstaltern vor Ort mit Füßen getreten werden, dann leidet die gesamte Veranstaltung – und es geht zu Lasten des Programms und unserer Nerven. Das muss nicht sein. So wie der Handwerker sein Werkzeug zum Arbeiten braucht, sind wir auf optimale Bedingungen und die Mithilfe vor Ort angewiesen. In der Hinsicht unterscheidet sich der Künstlerberuf von keinem anderen Job.

 

19.10.2018 / Martin & Maria

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